…über das Unbewusste (1)

„Wenn C. G. Jung einmal gesagt haben soll, dass der Schatten [d. h. unser Unbewusstes, CD] zu 90% aus reinem Gold bestünde, dann meinte er wohl damit zum einen, dass wir Aspekte, in denen wertvolle Ressourcen verborgen sind, abgewehrt haben und zum anderen, dass wir mit der dauernden Abwehr dieser Schattenanteile viel seelische Energie verbrauchen, die wir für unsere Lebendigkeit und Kreativität viel besser verwenden könnten.“ – Anette und Lutz Müller, Jung Journal

Das Unbewusste als nicht von aktiver Kenntnisnahme durchdrungenes Denken, Fühlen und Wollen wirkt auf unser Leben und Erleben ein, ob wir möchten oder nicht. Diese Terra incognita unserer Seele ist dabei größer als ihr bewusster Gegenpart: Freud sprach vom Eisberg und dessen unter dem Wasser verborgenem Volumen von 90%. In Träumen, Fantasien und Stimmungen begegnet es uns, aber auch in Marotten, Symptomen und problematischem Handeln oder unfreien Entscheidungen. Dieses negative Erscheinen verliert es aber, sobald es mit den richtigen Worten versprachlicht wird – ähnlich wie das Rumpelstilzchen in Grimms Märchen, als es beim korrekten Namen genannt wird -, was in der psychoanalytischen Arbeit das Deuten bewirkt.
Aus Schatten wird Gold, aus seelischer Unfreiheit gestaltbare Lebendigkeit: Wo Es war, soll Ich werden (Freud).

Bild: Annamartha / pixelio.de